Rückschau - IFR ab 1991

Gründung des IFR in der Aachener Str. 546 in Köln-Braunsfeld
Motivation durch Wissensdurst
Zehn Jahre Institut für Fußbodentechnik und Raumausstattung IFR, Köln1991 - 2001
![]() Vor sechs Jahren sinnierte Kille auf einer Nadelvliesrolle sitzend, "die Aufgaben von morgen sind die Schularbeiten von heute" und traf mal wieder voll ins Schwarze |
![]() Kille forscht: Unermüdlich und manchmal rund um die Uhr geht der sachverständige Raumausstatter-meister den Dingen auf den Grund.
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Was motiviert den Menschen zur Arbeit? Antoine de Saint Exupéry vertraute auf seherische Kräfte: "Wenn du ein Schiff bauen willst", so der französische Schriftsteller, "dann trommle nicht die Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre deine Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer." Etwas pragmatischer sieht Richard A. Kille den Arbeitsantrieb: Seine Motivation schöpft der Bodenbelagsfachmann aus einem unersättlichen Wissensdurst. Einer Sache auf den Grund zu gehen, treibt ihn an, oftmals über seine bisherigen Fähigkeiten hinaus, hin zu neuen Ufern. Dort wo er jetzt steht, hätte er sich vor zehn Jahren selbst noch nicht vermutet, damals als er in einer Hinterhofgarage den Schritt in die Selbständigkeit wagte. Als Sachverständiger für alle Fragen rund um die Raumausstattung und im Speziellen Bodenbeläge, hatte er sich zwar schon vorher bewiesen, jedoch auf eigenen Füßen, hauptberuflich nur von Begutachtungen und Materialprüfungen zu leben, schien ihm auch ein Wagnis. Gute persönliche Kontakte und vor allem sein exzellenter Ruf als Bodenbelagfachmann ebneten ihm den oftmals steinigen Weg zum Erfolg. Von einem bekannten Klebstoff-Hersteller aus Hamburg bekam Kille den ersten Auftrag und von da an folgte Auftrag um Auftrag.
Bei Ortsterminen und im Labor vertritt Raumausstattermeister Marc Uhl als rechte Hand des Chefs die IFR-Kompetenz nach außen. "Bearbeitet" wird die gesamte Branche, mittlerweile nicht nur in Deutschland, sondern bereits europaweit. Gerichte und Rechtsanwälte fordern das IFR-Wissen, Bodenbelaghersteller lassen Kille "einfliegen", um auch im Ausland für Klarheit bei Streitigkeiten zu sorgen. Wir machen fast allesGanz nebenbei, könnte man meinen, durchlaufen Prototypen neuer Bodenbelagskonstruktionen sein Labor, werden Produkte auf Herz und Nieren geprüft oder anwendungstechnische Richtlinien erarbeitet. "Wir machen fast alles, aber nicht um jeden Preis", umschreibt Kille sein Angebotsspektrum und verweist auf seine Unabhängigkeit. Nicht auf der Lohnliste eines Herstellers zu stehen, hat sich der gebürtige Niedersachse ins Pflichtenheft geschrieben, und ist dieser Devise bis heute treu geblieben. "Wer ein ehrliches Ergebnis haben will, der kommt zu uns. Für geschönte Aussagen sind wir nicht die Richtigen", unterstreicht er seinen Willen zu aufrichtiger und offener Arbeit.Wer heute Teppich klettet, Glasböden verlegt oder mit farbigen Spachtelmassen Böden gestaltet, greift ohne es zu wissen auf Killes Know-how zurück. Aber auch von Produkten, die es nie zur Marktreife gebracht haben, weiß der Raumausstattermeister zu berichten, nur Namen nennen will er nicht, Verschwiegenheit und Loyalität sind Tugenden seiner Arbeitsphilosophie. Dass er auch nicht immer alles weiß, gibt er unumwunden zu und führt als Beispiel seinen Einstieg ins Laminatgeschehen an: Anfang der 90er schenkte auch er dem neuen Boden wenig Bedeutung, als dann die ersten Anfragen und Schäden auf seinem Tisch landeten, reagierte er sofort. "In einer fast zweijährigen Untersuchung haben wir die Materialien auf Herz und Nieren geprüft, uns mit den Herstellungstechniken und den spezifischen Eigenschaften vertraut gemacht, bis wir wussten wie es geht und vor allem wie nicht." |
Mit Rat und TatHonoriert wird seine Arbeit nicht nur monetär, sondern gleichermaßen mit viel Vertrauen. Als Referent ist Kille ebenso gefragt wie als Praktiker. Ob an Meisterschulen, bei Kongressen oder Tagungen ist er ein gern gehörter Redner und auch hier wieder Profi durch und durch: Als er vor drei Jahren bei der jährlich stattfindenden Tagung der technischen Kommision Bauklebstoffe (TKB) einen freigesprochenen Vortrag mit computeranimierter Bildpräsentation hielt, setzte er neue Maßstäbe. "Heute kommt kaum einer um die neuen Medien und die dazugehörige Technik herum", spricht Kille aus eigener Erfahrung. Der Hang zur Perfektion und sein Faible für "gutes Werkzeug" haben ihm geholfen, sich rechtzeitig mit Computer, Internet und Co. anzufreunden.Dabei ist Kille keiner, der auf seinem Wissen hockt: Mit Rat und Tat steht er denen, denen "das Wasser bis zum Halse steht", zur Seite. "Wenn da einer von der Existenz bedroht ist, muss ihm geholfen werden", ist sein Statement zu einer gelegentlich selbstlosen Einsatzbereitschaft. Da im IFR jedoch nicht alle Fragen direkt beantwortet werden können, veröffentlicht das Team bereits seit sechs Jahren alles Wissenswerte im eigenen Internetauftritt. Bis zu 10.000 Zugriffe im Monat auf die diversen Fachthemen bestätigen den hohen Bedarf an Aufklärung. Raumausstattern kommt sein Wissen direkt zugute: Als Obmann für Bodenbeläge engagiert sich Kille im ZVR und seine regelmäßigen Fachbeiträge werden exklusiv in der RZ veröffentlicht. Dass Kille etwas zu berichten hat, weiß jeder, der ihn live erleben konnte. Anekdoten über verkehrt herum verlegte Korkplatten, Haftzugprüfungen in 15 Meter tiefen Klärbecken oder "schwimmend " verlegte Gummibodenfliesen in einer Großküche bleiben jedem haften, die Botschaft, die dahinter steht hoffentlich auch: Nicht das Ergötzen an den Fehlern der anderen, sondern das Lernen aus solch bildhaften Geschichten ist sein Anliegen. "Auch Gutachten sind ja nur eine Seite der Medaille: Am Ende hat einer Recht, der andere hat das Nachsehen. Wenn es gut läuft, kann ich beiden helfen. Der eine bekommt, was ihm zusteht und der andere eine perfekte Hilfestellung", gibt Kille einen Einblick in den Sachverständigen-Alltag. Beruf und BerufungBei einem, der seinen Beruf zur Berufung macht, sind lange Arbeitstage im Büro die Regel. Dass dabei Hobbys nicht zu kurz kommen, zeigt die andere Seite des Richard Kille: Einen Tag auf einem Motorboot im Tessin brachte ihn auf die Idee, selbst die Fahrerlaubnis für solch ein Schiff zu haben. Bereits ein Jahr und etliche Abendkurse später war er im Besitz des begehrten Ausweises. Bei Fahrten ins winterliche Österreich plant der Flachländer mittlerweile einen Tag zum Snowboarden ein. Um sich in Köln "mal richtig den Kopf frei zu machen" steigt der Motorsportbegeisterte auf seine Harley und dreht mit seiner Frau, die ihm bei diesem Sport in nichts nachsteht, eine Runde durch das Bergische Land. Etwas beschaulicher sind seine Fingerfertigkeiten auf der Gitarre. Einmal wöchentlich geht er zum Unterricht und übt in seiner Freizeit, um auch hier noch besser zu werden. "je höher man steigt, desto größer wird der Trainingsbedarf", erklärt er, "es ist wie beim Sport. Wer bei der Formel 1 erfolgreich sein will, muss häufiger und härter trainieren als einer, der nur im KartClub seine Runden dreht." Er selbst jedenfalls, hält sich dran - auch noch die nächsten zehn Jahre.
Who is who im Sachverständigenwesen(Erschienen in Fußbodentechnik 2004)Bestellung Von der Handwerkskammer zu Köln öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Raumausstatter-Handwerk und das Bodenleger-Gewerbe. Beruflicher Werdegang
Besondere Kenntnisse
Tätigkeitsspektrum
Praxisbeispiel Aus jüngster Vergangenheit ist mir ein Altenpflegeheim im Gedächtnis, in dem umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erfolgten. Bereits nach vier Jahren musste der geklebte Teppichboden infolge eines Materialfehlers ausgetauscht werden. Man entschied sich für einen hochwertigen Laminatboden, der im Klicksystem schwimmend verlegt wurde. Der Bodenleger entfernte den Teppichboden per Stripper und reinigte den Untergrund von Staub. Dann verlegte er eine PE-Flachfolie und eine 2,0 mm dicke PE-Schaumfolie in allen Zimmern. Den Abschluss bildete der Laminat-Fußboden im Klicksystem. Nach drei Monaten wurden vom Betreiber des Altenpflegeheims erhebliche "Knarrgeräusche" reklamiert. Diese wurden darauf zurückgeführt, dass sich die profilierten Fügeflächen des Klicksystems aneinander rieben und infolgedessen "Knarrgeräusche" entstanden. Nach umfangreichen Untersuchungen führte die Beanstandung zum Rechtsstreit und landete vor dem zuständigen Landgericht. Als beauftragter Sachverständiger ließ ich in drei Zimmern die Laminat-Fußbodenfläche Paneele um Paneele entfernen, um der Geräuschursache auf den Grund zu gehen. Dabei stellte sich heraus, dass nicht die Fügeflächen des Laminats knarrten, sondern die verlegte PE-Flachfolie bei Belastung des Laminats kurzzeitig auf der Oberfläche des Untergrundes haftete, da der alte Dispersions-Teppichklebstoff einen Nachklebeeffekt aufwies. Bei Entlastung löste sich die PE-Folie vom Untergrund und verursachte Geräusche, die an Knarr- und Schmatzgeräusche erinnerten. Aufgrund der Objektgröße wurde zunächst in den drei untersuchten Zimmern der Untergrund geschliffen, gereinigt, vorgestrichen und zementär gespachtelt. Danach wurde das Laminat wieder verlegt, wobei 90% des alten Materials wieder verwendet wurde. In der weiteren Nutzung haben sich keine Geräusche bemerkbar gemacht. Alle Zimmer wurden in der beschriebenen Weise saniert. Dieser Fall zeigt zwei prägnante Situationen:
Brancheneinschätzung Die rasante Entwicklung des "Neuen Marktes" in Industrie, Handel und Handwerk nach dem Motto "Die Zukunft war gestern" hat unsere Generation vergessen lassen, dass es auch Wirtschaftskrisen gibt. In der Tagespresse sind die Wirtschaftsnachrichten dramatisch. Fragt man Pensionäre unserer Branche, die sich ins Privatleben zurückgezogen haben, werden Beispiele aus den 20er Jahren, aber auch aus den 80er Jahren angeführt. Hört man genau zu, relativiert sich die Dramatik der wirtschaftlichen Entwicklung zunehmend und man spürt regelrecht die Aufbruchstimmung nach dem Motto "Sei aktiv und Du überlebst". Die Branche ist sozusagen in den "Wechseljahren", so dass sich auch die nachfolgende, bestens geschulte und vorbereitete Generation anmeldet und sich nun zunächst "die Hörner abstoßen muss". Bessere Voraussetzungen kann es in unserer Branche nicht geben, die Kombination von reifer Überlegtheit und drängender Spontanität lässt auch für unsere Branche optimistisch in die Zukunft blicken. Es ist Gründerzeit! Als der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog einmal sagte "Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen" hatte er bereits erkannt, dass es nicht gut ist, wenn Menschen schnell und ohne viel Arbeit reich werden wollen, indem z.B. viele Manager versuchen, ihr Geld mit "Spielereien" im Börsenzirkus zu vermehren. Vielleicht hat er auch eine Gesellschaft gesehen, die der Geldgier und dem raschen Profit bei immer kürzer werdenden Arbeitszeiten verfallen ist und zur "Fun-Gesellschaft" wird. Bereits heute sehe ich in unserer Wirtschaft und auch unserer Branche, dass richtige Unternehmer zu alten Tugenden zurückfinden und die Werte, die mit Arbeit geschaffen werden, wieder erkennen. Auf diese Unternehmer stützt sich mein Optimismus. |

IFR Köln
INSTITUT FÜR FUSSBODEN-
UND RAUMAUSSTATTUNG
Pestalozzistraße 23
D-50767 Köln





