An die Untergrundprüfung von Doppelböden werden besondere Anforderungen gestellt. Insbesondere bei Arbeiten im Bestand ist die Frage zu klären, ob auch die Konstruktion die Lebenserwartung des neuen Belags erfüllt.
Wikipedia schreibt: „Ein Systemboden ist eine aus vorgefertigten Bauteilen modular auf der Baustelle hergestellte Bodenkonstruktion mit dem Ziel, einen vielfältig nutzbaren Hohlraum unter der begehbaren Bodenoberfläche zu schaffen.“ Viel komprimierter kann man es wohl nicht beschreiben.
Hohlböden werden oft in Krankenhäusern, Verwaltungsgebäuden oder in industriellen Bereichen verlegt. Ihren Ursprung haben sie in den 1960er-Jahren mit der zunehmenden EDV-Ausstattung. Um in den genannten Bereichen Verkabelungen und Leitungsführungen flexibel zu gestalten und sie bei Umnutzung auch mal verändern zu können, musste man einfach auf sie zugreifen können. Die Realisierung dieser Anforderungen mit Kabelkanälen an der Wand oder auf dem Boden stieß schnell an ihre Grenzen, sodass man die Idee umsetzte, unter dem Bodenbelag einen Hohlraum einzuplanen, der flexibel zugänglich ist.
Hieraus sind die bis heute weit verbreiteten Doppelboden-Konstruktionen hervorgegangen. Sie bestehen aus meist quadratischen Platten, zum Beispiel mit Kantenlängen von 60 cm, die auf einer Stützenkonstruktion lose aufliegen, sodass sie einzeln aufgenommen werden können. Jede Platte für sich ist ausreichend tragfähig, aber erst in der Gesamtheit aller Platten und der stabilen Unterkonstruktion entsteht eine Lastverteilungsschicht, die zur Aufnahme von Bodenbelägen geeignet ist. Diese muss dann auch den zu erwartenden Belastungen im jeweiligen Einsatzbereich gewachsen sein – also beispielsweise einer Stuhlrollennutzung oder aber dem „Befahren“ mit Krankenhausbetten.
Idealerweise können Doppelböden mit Teppichfliesen belegt werden, da auch sie die einfache Aufnahme und das Wiedereinlegen ermöglichen. Aber auch textile und elastische Bahnenware kann auf Doppelböden verlegt werden. Eine weitere Systembodenvariante, auf die wir in dieser Folge nicht eingehen, ist der Hohlraumboden, der im Gegensatz zum Doppelboden eine flächige Tragschicht auf einer speziellen Unterkonstruktion aufweist.
Die Frage
In einem Krankenhaus sollen neue Bodenbeläge auf Doppelboden verlegt werden. Ist die vorhandene Konstruktion den zu erwartenden Belastungen gewachsen?
Untergrundprüfung im Krankenhaus
Ein Doppelboden muss – wie jeder andere Untergrund auch – vor der Bodenbelagsverlegung auf seine Eignung geprüft werden, sowohl neu hergestellte Konstruktionen als auch solche im Bestand. Mit einem teilfiktiven Fall wollen wir Sie für die Prüfung zu renovierender Doppelböden sensibilisieren und hier vor allem ein Augenmerk auf die Haltbarkeit solcher Konstruktionen legen.
In einem Krankenhaus wurden vor rund 20 Jahren 60 x 60 cm große Doppelbodenelemente aus gipsgebundener Spanplatte auf rund 65 cm hohe Stahlstützen verlegt. In dem als Bahnenware verlegten PVC-Bodenbelag zeichnen sich vereinzelt die Stöße der Doppelbodenplatten ab. Auch sonst weisen je nach Lichteinfall erkennbare Unregelmäßigkeiten in der Belagsoberfläche darauf hin, dass der Verbund zwischen Untergrund und Belag gestört ist. In Teilbereichen ist beim Begehen festzustellen, dass sich einzelne Platten bewegen beziehungsweise federnd nachgeben.
Die Prüfung
Neben der Prüfung der Oberfläche muss auch die Gesamtkonstruktion in Augenschein genommen werden.
Eine visuelle Überprüfung des Steckstützensystems unterhalb der Doppelbodenplatten zeigt, dass die einzelnen Stützen noch senkrecht stehen und einen funktionsfähigen Eindruck machen. Mit Aufnehmen des Kunststoff-Bodenbelags in einem optisch beeinträchtigten Bereich zeigten sich Bruchzonenverlagerungen mineralischer Spachtelmassenschichten, die sich auf der Oberfläche des Doppelbodens befinden. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass in den Operationssälen OP-Tischsysteme aufgestellt sind, die nach Typenbezeichnung ein Eigengewicht von rund 250 kg aufweisen. Zudem werden nahezu alle Flächenbereiche mit Kranken- oder Pflegebetten befahren, die mit Patienten ein Gewicht von rund 270 kg aufweisen können.
Der erste Eindruck
Die Stahlstützen stehen senkrecht und weisen einen festen Stand auf. Ist die Konstruktion also tragfähig?
Beurteilung der Situation
Die Beschaffenheit der Doppelbodenkonstruktion ist in diesem Fall nicht geeignet, erneut mit Bodenbelägen ausgestattet zu werden. Selbst wenn durch aufwendige Untergrundvorbereitungen möglicherweise die Oberfläche der Platten wiederhergestellt werden kann, kann die Tragfähigkeit der Gesamtkonstruktion nicht für eine weitere Nutzungsphase garantiert werden.
Ein wichtiges Detail
Die Vermutung, dass die Doppelbodenkonstruktion bereits über 20 Jahre alt ist, wird durch einen Aufdruck des Herstellungsdatums der Platten bestätigt.
Auch wenn es keine normierte Lebenserwartung von Doppelbodenkonstruktionen gibt und in der Praxis auch noch 40 Jahre alte funktionsfähige Aufbauten in Nutzung sind, ist im konkreten Fall bereits nach 20 Jahren von einer Weiternutzung auf Verantwortung des Bodenlegers abzuraten. Gerade auch mit Blick auf die hohen punktuellen und rollenden Lasten der OP-Tische und Krankenhausbetten ist eine Weiternutzung nicht ratsam. Der Austausch einzelner oder der gesamten Platten nach Jahren der Nutzung ist ebenfalls nicht zu empfehlen.
Um wieder eine passgenau ebene Fläche herzustellen, müssten alle Stahlstützen auf festen Sitz überprüft und in der Höhe neu justiert werden. Dies ist nicht praktikabel und würde einen höheren Aufwand bedeuten, als die ganze Konstruktion zu erneuern.
Die abschließende Erkenntnis
Sichtbare Stöße, Plattenbewegungen, Bruchzonen in der Spachtelmasse, das Konstruktionsalter und die zu erwartenden Belastungen sprechen nicht für eine Weiternutzung.
Wissenswertes
Im TKB-Merkblatt 10 „Bodenbelags- und Parkettarbeiten auf System- und Trockenunterböden – Fertigteilestriche, Hohl- und Doppelböden“ heißt es unter Punkt „4 Prüfen des Untergrunds“, „4.1 Allgemeines“ unter anderem: „Bei Doppelböden sind Höhenversätze zwischen den Platten zu vermeiden.
- Die Plattenoberflächen müssen schmutzfrei und durch Absaugen von Staub befreit sein.
- Bei Randfugen ist eine Mindestbreite von 10 mm einzuhalten.
- Die Bodenkonstruktion darf beim Begehen nicht nachgeben.
- Die Ausführung in den Türdurchgängen muss kraftschlüssig entsprechend der Herstellerangaben erfolgt sein, sofern keine Bewegungsfuge angeordnet ist.
- Eine verlässliche Überprüfung der Plattenfeuchtigkeit ist mit handwerksüblichen Maßnahmen nicht möglich.“
www.klebstoffe.com
Eine gute Informationsbasis zu Doppel- und Hohlraumböden bietet der Bundes- verband Systemböden, der eine Vielzahl an Merkblättern und Fachartikeln zum kostenlosen Download anbietet. www.systemboden.de
Fazit
Die Lebenserwartung von Doppelböden hängt stark von deren Nutzung ab. Werden Konstruktionen in Großraumbüros über lange Zeiträume, ohne zu öffnen im normalen Büroalltag genutzt, ist eine (mehrfache) Neuverlegung beispielsweise mit Teppichfliesen zu verantworten.
Sind Doppelböden hohen Belastungen ausgesetzt, wie im Krankenhaus oder in industriellen Bereichen, oder werden sie oft geöffnet, kann die Funktionsweise bereits nach 20 Jahren so eingeschränkt sein, dass ein Weiternutzen mit neuem Bodenbelag nicht zu empfehlen ist. Denn in diesem Fall müsste ja die gesamte Fußbodenkonstruktion mindestens weitere zehn Jahre halten, in der Praxis sogar häufig doppelt so lange.
Bodenbelagsarbeiten auf Doppelböden geht also immer eine gewissenhafte Untergrundprüfung voraus, an deren Ende auch abgewogen werden muss, ob die Gesamtkonstruktion die üblicherweise zu erwartende Lebenserwartung der Neuverlegung erfüllt.




